Hoch wie nie – dünne LUFT auf 5416m

Ich weiß gar nicht recht wo ich beginnen soll…..14 Tage in den Bergen des Himalaya Gebirges – einfach WOW WOW WOW!

Bis auf 5416m, dem Thorong La Pass – hat uns diese Reise hinaufgeführt. Es war eine Herausforderung für den Körper – was ich durchaus erwartet habe. Was ich jedoch nicht erwartet habe, war die Challenge für meinen Kopf. Es war eine Herausforderung der Sonderklasse und wenn ich zurückblicke, ist es unglaublich was wir in diesen zwei Wochen gesehen, erlebt und erfahren haben.

Die Annapurna Region ist ein Zusammenschluss von Bergen was ich durchaus als Gebirgsgruppe bezeichnen würden. Der höchste Annapurna Gipfel thront stolze 8091m über dem Meeresspiegel. Interessant ist, dass dieser Gipfel nicht offensichtlich als höchste Erhebung in dieser Region wahrgenommen wird, da es sich mehr um eine Bergschulter als einen Gipfel im klassischen Sinn handelt. Dieser Gipfel ist damit auch der zehnthöchste der Welt! Der „Annapurna – Circuit“ wie die Wanderung, die wir gemacht haben, genannt wird, führt uns um diese Annapurnas herum. 8091m zu besteigen, wäre auch etwas zu viel für den Anfang. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass eine Expedition in diese Höhen (Bsp.: Besteigung des Everest) zumindest zwei Monate in Anspruch nimmt – hört sich hart an, ist es wahrscheinlich auch.

Alleine die Anreise ist ein Abenteuer für sich. Von Kathmandu dauert es zumindest 10 Stunden mit dem Bus bis man den Trek beginnen kann. Zusätzlichen haben Sofia und ich dann noch einen Jeep genommen um den ersten, nicht so schönen, weil durch eine Straße verunstalteten Teil zu überspringen. Wir starteten die Wanderung in Syange auf einer Seehöhe von 1130m. Der höchste Punkt dieses Treks und auch meines bisherigen Lebens war der Thorong La Pass mit stolzen 5416m über dem Meeresspiegel.

Zwei Tage sind wie in Zweisamkeit gewandert, bevor wir eine Freundin von Sofia – Jane – samt Ihrem baldigen Ehegatte Keith, in Dharapani getroffen haben. Von dort an waren es Vier. Aber das war uns noch nicht genug und so haben wir uns weitere drei Herren „aufgerissen“. Die lustige Partie die aus zwei Australiern und einem Italiener besteht, sollte uns dann auch bis über den Pass nach Mukthinat begleiten. Nicht nur, dass wir viel Spaß hatten mit der ganzen Crew, nein es gibt auch ein wenig mehr Sicherheit in einer größeren Gruppe zu trekken. Schließlich waren wir ohne Guide unterwegs und keiner von uns wusste, wie unsere Körper auf die Höhe reagieren würden.

Die Ausblicke auf diese Berglandschaft war einfach nur atemberaubend. Vielerorts war der Ausblick unreal. Es wirkte als ob die Landschaft animiert wäre und wir auch einen riesigen 3D Bildschirm glotzen würden, einfach hammermäßig. In etwas kleinerem Ausmaß habe ich das schon vor zwei Jahren am Dachstein erlebt, wenn ich in diese riesigen Felswände geschaut habe. Es mischt sich ein Gefühl von Freude und Unbehagen in einen bis dato nicht bekannten Gefühlscocktail. Für diejenigen unter euch, die Avatar im Kino gesehen haben, genau so hat das gewirkt: unecht, überwältigend, schwer fassbar.

Die Landschaft hat sich unheimlich schnell verändert. Waren die ersten Tage von dichtem und satten Grün, Wald, Pflanzen und Wasserfällen, wo jeder einzelne für eine Shampoo Werbung getaugt hätte, geprägt, folgten in folge Steppenartige Landschaften, felsige Abschnitte um wieder in einem Waldabschnitt zu münden. Interessant ist auch zu beobachten, dass die Baumgrenze hier deutlich nach oben verschoben ist. In Österreich ist diese bei ca.1700m angesiedelt. Hier in Nepal war das bei 3000m!?!. Nur die Natur weiß warum. Beeindruckend ist auch die Pflanzenwelt die sich super schnell von einem Meter auf den andere verändert hat. Je nach Hanglage erinnert der Wald an den tropischen Regenwald, um nur 15 Minuten später in einen Nadelwald überzugehen, wie er auch in Österreich stehen könnte.

Kurzum, wir kamen nicht aus dem Staunen heraus. Jeden Tag aufs Neue glaubten wir, den besten und schönsten Ausblick und die schönste Seite der Natur zu sehen. Rückblickend kann ich sagen, dass jeder Tag für sich ein spezielles Erlebnis war und es vielmehr um den Weg selbst, als das Erlebnis der Höhe geht.

Apropos Höhe und Thorong La Pass.Wir hatten super Wetter, fast immer schien die Sonne, bis auf den Tag an dem wir über den Pass gehen sollten. Bereits als wir in Thorong Phedi losmarschierten, ahnten wir, dass es nicht der klarste Tag werden würde. Der Aufstieg bescherte uns Hochneben vom feinsten und so waren wir die ganze Zeit über im Dichten Neben gefangen. Durch den Nebel und die wirklich geringe Sicht vermissten wir zwar die Aussicht, die von dort oben laut Fotos atemberaubend sein muss. Ich konnte dem Wetter auch etwas Positives abgewinnen. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu marschieren. Die Landschaft war kahl, steinig und teilweise schneebedeckt. Wie auf dem Mond eben, nur mit Schnee J Aber es sollte nicht nur nebelig sein, sondern wir wurden auch mit etwas Eisregen beglückt. Ich war super froh, dass der Regen eisig blieb, da wir dadurch nicht durchnässt wurden. Nässe und Kälte ist bei dem Wind am Berg so ziemlich das schlechteste was passieren kann. Also absolut Glück im Unglück.

Eine Achterbahn der Gefühle Wie schon ober erwähnt, war es nicht nur für den Körper eine Herausforderung. Ehrlich gesagt, war die körperliche Anstrengung nicht so stark wie erwartet. Nach ein paar Tagen schon, hat sich der Körper an die permanente Anstrengung gewöhnt und erst nach dem Trek habe ich gemerkt, wie ausgelaugt die Muskeln eigentlich wirklich sind. Für mich persönlich war die Herausforderung mehr im Kopf zu finden. Auch wenn ich wusste, dass die 5416m kein Problem für mich sein werden, ließ ich mich dann doch auch von der Angst der anderen Trekker anstecken. 80% aller Trekker nahmen auch Tabletten namens „Diamox“, welche die Höhenkrankheit vorbeugen sollten. Ja es kann passieren, dass der Körper die Höhe und den damit verbundenen geringeren Sauerstoffanteil in der Luft nicht gut verarbeiten kann. Es war ein echtes „Mindgame“. Jeder glaubte auf einmal ein Experte in Sachen Höhe zu sein, obwohl keiner nur die geringste Ahnung hatte. Auch ich war, trotz meiner grund-positiven Einstellung zu der Höhe, oftmals etwas aus der Spur. Warum kann ich auch nicht genau sagen. Es war Anspannung gemischt mit Erschöpfung, die zu einer leicht reizbaren Stimmung führte. Ich war damit aber nicht alleine und so ging jeder unserer Gruppe durch seine ganz persönlichen Höhen und Tiefen. Es war der reine Überlebensinstinkt der sich oftmals bemerkbar gemacht hat und so waren wir alle samt froh, als wir sicher und gesund zurück in Kathmandu waren und ein feierliches gemeinsames Abendessen einnahmen.

Eine wunderbare Seite des gemeinsamen Wanderns ist es, dass man sich in kurzer Zeit auf einer sehr tiefen und echten Ebene kennenlernt, da die Regeln der Gesellschaft am Berg nicht gelten. So wie ich schon Sofia beim Trekking in Myanmar im Vorjahr sehr schnell, sehr gut kennen und lieben gelernt habe, war es jetzt auch mit Jane und Keith der Fall. Gemeinsam wandern hat etwas Wunderbares an sich. Es gelten nicht die üblichen höflichkeitsregeln der Gesellschaft, alles ist einfacher, geerdeter und man lernt sich in kürzester Zeit auf einer sehr tiefengehenden Ebene kennen.

Tatsächlich ist auch etwas sehr Schlimmes passiert. Eine Frau ist von ca.3700m per Hubschrauber evakuiert worden und hat es der Aussage anderer Reisender nicht überlebt. Trotz dieser schlechten Nachrichten glaube ich weiterhin, dass ein vordringen in diese Höhen kein Problem ist, sofern man auf seinen Körper hört. Ja es gehen auch viele Menschen diesen Trek, die ich persönlich keine Freigabe dafür erteilen würde. Man trifft dort oben auch Menschen die oft keine Trittsicherheit haben, stark übergewichtig sind und nicht einmal in flachem Gelände kontrolliert geradeausgehen können. Warum nur gehe ich dann das Risiko des Berges ein, frage ich mich innerlich öfters? Die Entscheidung liegt natürlich bei jedem Individuum selbst und so kann ich jedem gratulieren, der den Trek erfolgreich beendet.

Stichwort Höhenkrankheit. Ja dort oben war die Luft dünn. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ab ca. 3000m habe ich einen deutlichen Unterschied in meiner Atmung festgestellt und ab ca3800m hatte ich die ersten bemerkbaren Anzeichen in Form von leichtem Kopfschmerzen, dass mein Körper härter zu arbeiten hat. In diese Höhen vorzudringen bedarf schon etwas Vorsicht und so wird es empfohlen, zumindest einen Akklimatisationstag einzulegen. Akklimatisation bedeutet eine extra Nacht auf derselben Seehöhe zu verbringen. An dem „Rasttag“ wird aber nicht wirklich gerastet, sondern eine Tageswanderung in die Höhe gemacht, um dann wieder an den Ursprungsort zurückzukommen. Go high, sleep low – nennt man den Prozess im Englischen. Das Schöne am Annapurna Trek ist, dass man an den Akklimatisationstagen ausreichend Alternative Wege zu begehen hat und so sind dies keine verlorenen Tage, sondern gaben uns nur noch mehr Eindruck von dieser Wunderschönen Natur. Ab ca. 4000m merkte ich die dünne Luft sehr stark. Ein paar schnelle Schritte genügen und ich war außer Atem, also war das Motto stets langsamer zu gehen als die Beine könnten um in einem entspannten Atemrhythmus zu bleiben.

Ob ich es nochmal machen würde? Da bin ich mir nicht so sicher. Diese Wanderung hat mir auf jeden Fall Lust gemacht auch auf heimischem Boden einmal eine mehrtägige Wanderung zu machen. An Möglichkeiten scheitert es selbst in Österreich nicht. In Zukunft werde ich aber eher Höhen vorziehen, bei denen die Höhenkrankheit kein Thema ist.

So wie jede Reise zu Ende geht, hat auch Travel POD bekannt gegeben, dass sie die Seite mit 19.06. schließen werden. Das heißt für mich auch, dass mein Reisebloggen mit diesem Post vorerst ein Ende findet. Ich weiß noch nicht ob und wie ich die Inhalte von TravelPOD auf meine Seite www.poglonik.com umsiedeln kann oder werde. Es wäre aber super schade, könne ich die Inhalte nicht in einer Form online behalten.

Ich sage rechtherzlich DANKE an alle die knapp 15 Monate mit mir mitgereist sind und auch den einen oder anderen Kommentar zu meinen Erlebnissen abgegeben haben.

Als Abschluss möchte ich einen Gedanken loswerden der immer stärker in mir wächst. Nachdem ich mir meinen Traum erfüllt habe und „einiges“ der Welt gesehen und erlebt habe, kann ich mit großer Überzeugung sagen, wie dankbar ich bin, in Österreich geboren zu sein und dort leben zu können. Es ist nicht der offensichtliche Wohlstand, den wir so sehr schätzen sollten, nein es sind die kleinen Dinge, die das Leben für mich zu Hause so lebenswert machen. Das beginnt in der Früh, wenn ich aufstehe und sauberes Trinkwasser aus dem Hahn rinnt, das Haus durch eine Zentralheizung beheizt ist, das Badezimmer warm, sauber und nicht von der letzten Duschaktion noch unter Wasser steht. Es geht weiter, wenn wir aus dem Haus gehen und eine super saubere Umwelt wahrnehmen können, die Straßen asphaltiert und nicht lehmig sind. Und so weiter und so weiter…..

Ich bin nicht der heilige Messias und werde es in diesem Leben wahrscheinlich auch nicht mehr werden und trotzdem ist mein Appell an euch und all die Leute da draußen: Sei dankbar für das, was du hast. Dein momentaner Fokus entscheidet über die Qualität deines Lebens und wir (in Österreich oder überhaupt im Westen lebende Menschen) haben jeden Morgen 1001 Dinge für die wir dankbar sein können ohne überhaupt einen Fuß aus dem Bett getan zu haben.

Mit diesen Worten sage ich ciao und auf Wiedersehen.

Freue mich schon, wenn ich viele von euch ab August wieder persönlich treffen kann. Davor habe ich noch knapp fünf Wochen Zeit die ich im Norden Indiens verbringen werde. Lesen, Schreiben, Yoga und Meditation ist angesagt. Und danach geht es ab nach Finnland, auf das ich mich schon sehr speziell freue.

Bis bald euer

Michael

 

Autor: Michael

Ein unbelehrbarer Träumer und Idealist, der die Welt verändern und dabei auch noch Spaß haben will. Spät aber doch folgt er seinem Traum zu reisen. Als Trainer, Coach und Author teilt er seine Philosophie, wie Mensch sein innerstes Wesen erkennt und lebt. Sein Motto: Lebe DEINE beste Version.

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