Finnland – super finnisch und doch teilweise schwedisch

Was für ein Jahr das bis jetzt ist. Unglaublich wie viele geile Erlebnisse ich schon gehabt habe. Nach drei Monaten in Asien freute ich mich riesig nach Finnland zu kommen um Sofia wiederzusehen, ihre Familie und Freunde kennenzulernen und dieses Wunder-grüne Land kennenzulernen.

Die vier Wochen hier sind super schnell vergangen. Im Nachhinein erscheint alles wie in einem Sturm an uns vorbeigezogen zu sein. Für mich war Finnland zumindest gleich spannend wie meine Asien Reisen, es ist Europa und doch anders. Alleine die Tatsache, dass Sofia am Meer aufgewachsen ist, hat mir Einblicke in das Segeln und die Kreuzfahrt gegeben.

Doch Petrus fand den Schalter nicht
Als ich Anfang Juli ankam, war es nur ca. zwei Wochen nach der Sonnenwendfeier. Das bedeutet, die Tage haben die maximale Länge erreicht und werden langsam wieder kürzer. Ob Tag oder Nacht ist in den Sommermonaten hier jedoch nicht so wichtig, denn es scheint (fast) immer die Sonne. Es wird den ganzen Juli lang nie wirklich Dunkel, um 23:00 knallt die Sonne noch mit voller Wucht auf die Terrasse. An das musste sich mein Biorhythmus erst mal einstellen. Ich hatte schon so meine Schwierigkeiten beim Einschlafen, denn mit Licht zu schlafen fällt mir unglaublich schwer. Ich schlafe am liebsten in absoluter Dunkelheit, selbst kleine LED Lichter von Radios oder TV stören mich und ich ziehe immer wieder gekonnt den Stecker aus der Dose.

Unsere „Homebase“ war Jakobstad an der Westküste Finnlands. In dieser kleinen Stadt, die ich mit der Größe von Leibnitz vergleichen würde, passiert normal nicht viel. Ausnahme davon bildet eine Woche im Juli. Ein Stadtfest, das sich auf deine ganze Woche ausdehnt, lässt die Menschen von Nah und Fern in die Stadt strömen um an den unzähligen Konzerten und Unterhaltungsmöglichkeiten teil zu nehmen. Finnland hat wie viele andere Länder auch mit der Landflucht zu kämpfen und so sind viele Freunde von Sofia, so wie auch ihre Brüder, nicht mehr zu Hause. Der Juli ist aber der Monat in dem die Finnen der Heimat wieder einen Besuch abstatten um Familie, Freunde und alte Bekannte zu treffen. Somit war der Monat ein intensives „Meet and Greet“ im positivsten Sinne. Ich habe nicht nur meine Schwiegereltern und Sofias Brüder kennengelernt, sondern auch ihre engsten Freunde, die mich alle mit offenen Armen begrüßt haben. Den Mythos, dass Finnen verschlossen und wenig kommunikativ wären, kann ich hiermit eindeutig dementieren. Zumindest die Menschen die ich kennengelernt und getroffen habe, waren super offen, redselig und um keinen Scherz verlegen.

Die spinnen die Finnen
Tatsächlich ist die Muttersprache von vielen Menschen in diesem Gebiet Schwedisch. Ja genau, Schwedisch. Diese sprachliche Trennung zeigt sich überall und so sind Lebensmittel wie beispielsweise Butter und Bier (*grins*), zweisprachig angeschrieben. Daraus resultiert, dass alle jungen Finnen grundsätzlich Finnisch, Schwedisch und Englisch sprechen, viele zusätzlich noch Deutsch. Diese zumindest Dreisprachigkeit ist sehr eindrucksvoll. Davon könnte man sich im Österreichischen Bildungssystem mal etwas abschauen und doch etwas mehr Wert auf Fremdsprachen legen. Schließlich, und das habe ich eindrucksvoll auf meinen Reisen erlebt, ist die Sprache der Schlüssel zu einer Gesellschaft.

Lakritz als Volksdroge Nr.1
Viele unter euch werden dieses, meist zu dunklen Süßigkeiten verarbeitete, Wurzelgewächs sicherlich schon probiert haben. So richtig beliebt ist diese Geschmacksrichtung nur in den nördlichen Teilen Europas. Wer es noch nie probiert hat, kann sich ja mal an Haribo Gummis mit Lakritzgeschmack versuchen. Ich übernehme keine Garantie für etwaige Nebeneffekte. Ich bin der festen Überzeugung, dass man dieses „Zeug“ nur lieben kann, wenn man damit geboren wurde. Es gibt alles in der Geschmacksrichtung Lakritz: Eiscreme, Süßigkeiten, Schokolade und sogar Pulver mit dem man alle anderen Speisen „würzen“ kann. Die Eiscreme Beispielsweise schmeckt nicht nur furchtbar, sondern ist in einem absolut nicht ansprechenden Grauton gehalten. Ich hoffe, dass meine nordischen Freunde mir diesen Bericht nicht übelnehmen. Ich respektieren natürlich ihre Liebe zu abartigen Geschmäckern, die nicht einmal vor alkoholischen Getränken halt macht.

Der Mythos ist zerstört
Man sagt immer „Finnen reden nicht viel“. Haha, da kann ich nur laut lachen. Die Finnen haben durchaus ihre eigenen sozialen Angewohnheiten, jedoch sind sie alles andere als unsozial. Ein etwas komische soziales Verhalten von Leuten die Sofia getroffen haben ist es, der Begleitperson, in diesem Fall mir, keinen Blick zu würdigen. Erst wenn Sofia mich quasi offiziell vorstellt, gibt es das freundliche „hej“ zu hören.

Sauna als Teil der Kultur
Gerüchten zufolge, gibt es in Finnland mehr Saunas als Einwohner. Meiner Erfahrung nach könnte dies durchaus zutreffen. Saunieren ist in Finnland so viel entspannter als in unseren SPAs. Das Land das die Sauna erfunden hat, kennt keine steifen Regeln so wie es in den meisten SPA – Saunalandschaften der Fall ist. Es gibt keinen Zeitplan, keine strikten Regeln, wer wann rein oder raus darf und schon gar nicht gibt es einen Angestellten zu Hause, der nur für den „Aufguss“ verantwortlich ist. Vielmehr ist saunieren gehen ein soziales und total lockeres Event, zu dem man in der Saune oder in den Pausen bevorzugt Bier trinkt. Das Sauna Getränk ist ein wichtiger Bestandteil des Rituals. Aufgießen – Wasser auf den Ofen träufeln – kann jeder und zu jeder Zeit. Anstatt sich mit Honig gegenseitig einzureiben, pflückt man in Finnland traditionell vor dem Saunieren ein paar Birkenzweige und „Peitscht“ sich damit in der Sauna gegenseitig aus. Das „Auspeitschen“ Erfolg aber eher sanft und dient rein der Durchblutungsförderung. Andere Anwedungen sind denkbar, jedoch wurden mir nicht offiziell bestätigt. Wenn die Frisch gepflückten Zweige einige Zeit vor dem Saunagang in die Sauna gegeben werde, verbreitet sich ein herrlicher Duft in der selbigen.

Unsere eigene Ferieninsel
Naja es ist nicht ihre Privatinsel aber Sofias Family hat ein Ferienhaus inkl. Saunagebäude darauf. Die Insel die vielleicht 1km Durchmesse hat, ist von der Stadt in 20 Minuten per Motorboot erreichbar. Ja natürlich, haben sie auch ein Motorboot, wie soll man denn sonst bitte zur Insel kommen? Es gibt Elektrizität aber kein fließendes Wasser. Trinkwasser sowie Nutzwasser wird in Kanistern und Eimern geholt. Warmwasser wird mit dem Sauaofen – der mit Holz befeuert wird – geheizt. Alleine diese Tatsache motiviert, eher öfter als seltener zu saunieren. Diese Insel hat es mir von Anfang an angetan. Inseln sind immer geil. Das Inselleben ist sehr auf das wesentliche reduziert. Der Alltag dreht sich um Tätigkeiten, die das „Überleben“ sicherstellen. Wasser holen, Essen kochen und Sauna aufheizen, zählen zu den Top Tätigkeiten. Bevor die Saue geheizt werden kann, muss natürlich noch Holz „gekloben“ werden. Das Inselleben ist optimal um Abstand von seinem hektischen Alltag zu bekommen. Nicht, dass ich das momentan brauchen würde, trotzdem genoss ich die naturverbundene Lebensweise auf der kleinen Ferieninsel sehr. Es ist wunderschön zum Gesang der Möwen aufzuwachen, die bereits in den Frühen Morgenstunden wieder nach Beute Ausschau halten.

Sehr selten habe ich Sonnenuntergänge gesehen, bei denen die Sonne in das Wasser eintaucht. Alleine das Erlebnis ist es Wert hierher zu kommen. Ich habe Sonnenuntergänge gesehen, die an Piratenfilme auf hoher See erinnern. Es ist einfach wunderschön, wenn die Sonne nicht hinter einem Stück Land verschwindet, sondern langsam aber stetig im Wasser eintaucht, bis nur noch der orange-rote Schleier am Himmel übrig ist.

Vieles, das für mich so neu war, ist hier selbstverständlich. Selbstverständlich ist auch das Segeln in diesem Gebiet. Das was für uns in Österreich die Berge und das Skifahren ist, ist in Finnland das Meer und die Seefahrt. Die meisten Menschen fühlen sich in Suomi – so heißen sie auf Finnisch – stark mit dem Meer und dem Wasser verbunden. Kein Wunder, denn selbst wenn man nicht am Meer aufgewachsen ist, ist der nächste große See nur Minuten entfernt.

Segeln ist hier auch allgegenwärtig und Sofias Vater ist in wahrer Segelenthusiast, der noch vor ein paar Jahren an Segelmeisterschaften teilgenommen hat. Mittlerweile hat er sein Rennboot jedoch gegen ein Familientaugliches Segelboot eingetauscht. Wie Björn, Sofias Bruder, der bei den Rennen auch mit an Bord war sagte, handelt es sich bei den familientauglichen Segelbooten eher um Karavans mit Segel. Haha für mich sind auch diese Karavane wackelig genug, wie sich herausgestellt hat. Meine erste Berührung mit dem Segeln war denkbar schlecht. Wir hatten katastrophales Wetter, viel Wind, hohe Wellen und Regen. Nicht nur das, nein ich wurde auch noch Seekrank und war eineinhalb Tage gaga.

Abgesehen vom Segeln, hat mir die Fortbewegung am Wasser aber total viel Spaß gemacht. Ich konnte das erste Mal überhaupt, selbst ein Boot am Meer fahren. Zu allem Überdruss hat mir dann Sofia als Geburtstagsüberraschung auch noch eine Kreuzfahrt nach Stockholm geschenkt. Wie geil war das bitte? Mitten in Helsinki hat sie mir die Augen verbunden und mich an Bord dieses riesen Schiffs gebracht. Ich hatte absolut keine Ahnung, vor allem auch deswegen, weil ich zu vor noch nie an Bord eines solchen Schiffs war. Eine bequeme Cruise über Nacht nach Stockholm. Dekadenz lässt grüßen und wir genießen jeden Moment davon. Stockholm ist eine so schöne Stadt. Das viele Wasser das die Stadt durchläuft, verleiht ihr einen ganz besonderen Charme. Wir hatten circa 6 Stunden Aufenthalt in der Stadt und haben uns dabei nichts abgehen lassen! Meine erste Berührung mit einem Kreuzfahrtschiff habe ich also auch noch erleben dürfen. Meine Güte, ich kann gar nicht glauben was momentan so alles passiert. Einfach nur geil! DANKE DANKE DANKE

Wir sitzen gerad im Zug von Wien nach Graz. Durch den langen Reisetag etwas müde, freuen wir uns beide schon auf eine Dusche und ein paar Stunden Qualitätsschlaf. Die eine Reise endet, das nächste Abenteuer steht vor der Tür. Der August wird spannend. Ich freue mich meine Familie und Freunde wiederzusehen.

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  • Stockholm bereits am Kreuzfahrtschiff
  • Vorbereitungen für Uganda
  • Finnish Lunch - karelska piroger mmhhh lecker
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  • Auf dem Weg zum Schiff - ich hatte keine Ahnung
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  • mein erster Segeltag - nicht gerade ein sonnenvag 😉
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  • jaaa Finnland hat Sandstrand
  • i had no idea whats going on - few hours later we were in Stockholm
  • Lakritz - Eis - eine Frage des guten Geschmacks 😉

Autor: Michael

Ein unbelehrbarer Träumer und Idealist, der die Welt verändern und dabei auch noch Spaß haben will. Spät aber doch folgt er seinem Traum zu reisen. Als Trainer, Coach und Author teilt er seine Philosophie, wie Mensch sein innerstes Wesen erkennt und lebt. Sein Motto: Lebe DEINE beste Version.

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